Schloss Weesenstein
Schloss Weesenstein
   „Die Perle des Müglitztals“ nennt man Schloss Weesenstein, und tatsächlich handelt es sich um ein ganz besonderes Schloss - wo sonst wohnte einst ein König unter (!) dem Keller!?

   Über etliche Jahrhunderte wurde hier ständig nicht nur um- sondern auch angebaut, so entstand eine riesige Anlage. Der Gang durch das Schloss wird zur Zeitreise durch die Jahrhunderte, und der Besucher, der alles sehen und aufnehmen will, sollte reichlich Zeit mitbringen, „mal eben schnell gucken“ geht hier nicht!
Portal des Unterschlosses
Nach dem Besuch des Schlosses lohnt auch ein Spaziergang im Schlosspark.
Blick ins Müglitztal
Portal des Unterschlosses
Wandmalerei 17. Jahrhundert
Tapete chinoise
Ledertapete 18. Jahrhundert
Wandmalerei 16. Jahrhundert
Tapete chinoise
Ornamentale Wandmalerei im "Knappensaal" aus dem 17. Jahrhundert
Wandmalerei auf dem Mönchsboden, entstanden Mitte des 16. Jahrhunderts
Ledertapete aus dem frühen 18. Jahrhundert
Tapete chinoise
ca. 1820 enstandene hangedruckte Papiertapeten in Sepiatönen mit chinesischen Motiven
Kirche im Schloss
Kirche im Schloss Weesenstein

   Die barocke Schlosskirche wurde von 1738 bis 1741 auf den Grundmauern einer abgerissenen Vorgänger-Kapelle errichtet.
Lange galt der Baumeister George Bähr - bis heute bekannt durch sein berühmtestes Werk: die Frauenkirche in Dresden - als Erbauer beziehungsweise Architekt der Kirche. Dies gilt heute als unwahrscheinlich, nicht zuletzt, weil Bähr bereits im März 1738 gestorben ist. Es ist anzunehmen, dass einer seiner Schüler, Johann George Schmidt, die Baupläne erstellte.

   Das Foto zeigt den Blick auf den Kanzelaltar. Neben dem Altar stehen die lebensgroßen Figuren der Namenspatrone der Kirche: Der Apostel Paulus mit dem Schwert und der Apostel Petrus mit dem Schlüssel.

   König Johann von Sachsen (1801 - 1873, König ab 1854) arbeitete unter anderem hier auf Schloss Weesenstein - die bevorzugte Residenz - an seiner berühmten Übersetzung von Dante Alighieris „Divina Commedia“.

   Doch auch ein Schriftsteller völlig anderen Genres - die literarische Bewertung sei  hier jedem Leser selbst überlassen - war ein Fan von Schloss Weesenstein und besuchte den Ort gern als Tourist.

  In den 80er Jahren des 19. Jahrhundert verfasste Karl May (1842 - 1912) mehrere so genannten Kolportageromane, Fortsetzungsromane, die in Heftform verkauft wurden. Bezahlt wurde er pro Lieferung, also schrieb er diese Auftragsarbeiten zügig herunter - er war schließlich nicht mehr jung und brauchte das Geld!
Einer dieser Romane heißt „Deutsche Herzen, Deutsche Helden“,
er besteht aus 109 Heften von je 24 Seiten.


   Nachdem seine Helden im Orient, in Amerika und in Sibirien verschiedene Abenteuer durchlebt haben, kehren sie zurück nach Deutschland in das „Schloss Wiesenstein“, den „Lieblingsaufenthalt Prinz Oscars“. Als Vorlage für das fiktionale Wiesenstein lässt sich anhand seiner Beschreibung unschwer das echte Schloss Weesenstein ausmachen:

   „Schloss Wiesenstein ragt von einem hohen Granitfelsen so hoch empor, dass oft die Wolken um seine Zinnen streichen. Es blickt weit in das Land hinein, und wer im Bahnzuge sitzend durch das Fenster die Gegend betrachtet, der bekommt es bereits eine Stunde, bevor der Zug Wiesenstein erreicht, von mehreren Seiten zu Gesicht, da die Bahn sich dem Orte in weiten Schlangenwindungen nähert. […] Das Schloss hatte seinen Namen von dem Felsen erhalten, auf welchem es lag, und von den saftig grünen Wiesen, welche sich nach allen Seiten wie Buchten in den Gebirgswald hinein erstreckten.“

   Diese Sätze sind durchaus als Karl Mays Hommage an Schloss Weesenstein zu lesen!
 
Karl May
   Der Literaturwissenschaftler Johann Georg Theodor Grässe (1814 - 1885) war Privatbibliothekar des sächsischen Königs Friedrich August II., und dann in der Folge  Inspektor des Dresdner Münzkabinetts, Direktor der Dresdner Porzellansammlung und schließlich im Rang eines Hofrats Direktor des Grünen Gewölbes.

   Der Literatur blieb er dabei immer treu. Sein bis heute bekanntestes Werk dürfte der „Sagenschatz des Königreichs Sachsen“ sein, das 1855 in der ersten und 1874 in der zweiten und erweiterten zweibändigen Auflage erschien. Diese Auflage enthielt knapp über 1.000 Sagen, die der Autor „aus Chroniken, mündlichen und schriftlichen Ueberlieferungen und anderen Quellen gesammelt und herausgegeben“ hatte.
Über Schloss Weesenstein gibt es in Grässes Werk zwei Sagen.
   „Der Teufel zu Weesenstein.
Einer der frühern Besitzer von Weesenstein bei Dohna, der im vorigen Jahrhundert sein Vermögen im Kriege erworben haben soll und auch sonst ein sehr kluger Mann war, der die geheimen Wissenschaften eifrig trieb, hatte in Folge davon einen Bund mit dem Teufel gemacht. Wie gewöhnlich lief aber die Zeit, in welcher ihm dieser dienstbar sein sollte, endlich ab und siehe eines Abends kam eine mit sechs Rappen bespannte Kutsche in das Schloßthor gefahren, aus der zwei schwarz gekleidete Herren stiegen; sie traten in das Schloß, ließen sich bei dem Besitzer melden, und kamen dann bald mit demselben zurück. Derselbe stieg, ohne seinen Leuten ein Wort zu sagen, mit den Herren in den Wagen, die Pferde jagten auf und davon und der Schloßherr ward nie wieder zu Weesenstein gesehen, seine Familie sagte, er sei in's Ausland gereist, und bald nachher hieß es, er sei dort gestorben, das Volk aber meinte, der Teufel habe ihn in höchst eigener Person geholt.“

   Vielleicht ist es in diesem Fall ganz gut, dass Grässe als Quelle „mündliche Überlieferung“ nennt, so lässt sich nicht zurückverfolgen, wann die Geschichte zum ersten Mal erzählt wurde, und auf welchen Schlossherrn sie sich vielleicht beziehen könnte…

   Auch von einem Mönch, der übrigens bis heute im Schloss umgeht, war Grässe erzählt worden:

   „Im Schlosse Weesenstein führt hinter der Kirche von dem herrschaftlichen Betstübchen ein Gang nach der Orgelempore, der heißt der Mönchsgang, weil sich da am Tage und des Nachts zuweilen ein Mönch in schwarzer Kutte zeigen soll, der den Kopf unter dem Arme trägt. Was es aber mit ihm für eine Bewandtniß hat, weiß man nicht.“

Blick über den Park vom Schloss Weesenstein
Blick vom Söller des Schlosses Weesenstein
König Johann von Sachsen
Vielleicht bringt ein Besuch
im Schloss ja Aufklärung - viel Erfolg!
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